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Vollständiges Interview fürs Wahrschauer



4. Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben.?


KOLLEGE: Bier steht im Kühlschrank.

CLAUS: Natürlich mit der wohl originellsten Kategorisierung seit der Erfindung des Musikjournalismus: „Wir passen in keine Schublade!“

GRAF DISCO: Poser-Rock? Punkrock? Keene Ahnung.

K.K.: Kölschrock mit Musik.

5. Wie entstehen eure Songs?


KOLLEGE: Claus schreibt die Gesangslinien und die Begleitung, womit der
Hit schon fast steht. Aufbau, Groove, Frickeleien und ähnliche Scheiße
machen wir zusammen im Proberaum.

CLAUS: Ich präsentiere ein Gröhl/ Schrammel-Version eines neuen Songs im Proberaum und nach gar nicht allzu langer Zeit entsteht eine Buffta-fipfip-bumm-Gröhlschrammel-Version, die dann entweder früher oder später auf CD veröffentlicht wird oder auch nicht.

GRAF DISCO: Claus bringt die Idee mit in den Proberaum und trägt diese vor – der Rest hält vor Schmerz die Ohren zu. Tja, am besten kann man das ganze mit nem Schluck Bier überbrücken und dann ran an die Arbeit, hier und da mal ein paar Parts ausprobieren, einfach was drüberspielen. Die meisten Parts stehen nach kurzer Zeit. Feinschliff nach und nach. Welche Lieder es dann tatsächlich bis zur Veröffentlichung schaffen, wird erst in letzter Sekunde entschieden. Und das ist auch gut so.

K.K.: Claus bringt die Idee, Akkordfolgen und Texte. Der Kollege macht aus den Akkordfolgen Musik. Disco und ich formen das Ganze zu einem Hit mit Geschmack und rhythmischen Hintertürchen.


6. Was hört ihr privat so für Musik?


KOLLEGE: Krach mit Geschrei.

CLAUS: Contra D, Stromsperre, drei Besoffskis und grundsätzlich alle Bands, bei der die Gesangsmelodie die Grundtöne der Akkorde doppelt.

GRAF DISCO: Ich glaube, das kann Claus am besten beantworten – hähähä.

K.K.: Ich höre ausschlieslich The Nopes, Socks, D-Sailors und die Band mit dem Hasenvideo.


7. Gibt es irgendetwas, das euch so richtig ankotzt (auf Konzerten, im Leben, politikmäßig, in der Punkszene?)


KOLLEGE: Wenn ich von der Bühne komme, und das Bier ist alle! Hass!

CLAUS: Die Punkszene beschreibt sich in ihren Selbstdarstellungen ja ganz gerne als unglaublich innovativ, kreativ, selbstkritisch und tolerant. Eine Selbsteinschätzung, die im krassen Gegensatz zu Ihrer Musik steht. Ich kenne keine so genannte Subkultur, deren Musik und Text in der Grundstruktur so stereotyp ist wie Punk. Punk greift mit unglaublicher Sturheit auf eine einzige musikalische Tradition zurück: nämlich auf ihre eigene. Im gleichen Atemzug wird paradoxerweise in etlichen Texten die pauschale Ächtung jeglicher Tradition zelebriert. Hilfskonstruktionen wie die oben mehrfach erwähnte „pseudointellektuelle Scheiße“ versorgen das Punkrock-Perpetuum-Mobile scheinbar unerschöpflich mit Energie und schützen es vor jeglicher Weiterentwicklung. Die konsequente musikalische Enthistorisierung ist wesentlicher Bestandteil eines Livestyle-Rassismus in dem sich Differenzen bereits an der Haarfrisur entzünden.

GRAF DISCO: Ja, eine Olle und ein Auto. Sollte man alles sofort abschaffen. Erstens nur Probleme und zweitens alles teuer. Auf Konzerten ist bisher alles im groben und ganzen aalglatt gelaufen, teilweise super Veranstalter! Persönlich könnte ich gerne auf die Kloppereien verzichten, macht ne scheiß Atmosphäre, man kann nicht mal in Ruhe sein Bier trinken. Und das nenn ich dann großen Schwachsinn.

K.K.: Prügelnde Mädchen die dabei in mein Schlagzeug fallen.


8. Worauf legt ihr bei euren Shows wert. (könnt ihr euch vorstellen mal Playback zu spielen?)


KOLLEGE: Hä? Wir spielen doch immer Playback. Außerdem klingt alles viel
geschmeidiger wenn ich geschminkt bin.

CLAUS: Ich lege sehr viel Wert darauf, dass meine Gitarre ordentlich geputzt ist. Sobald wir auf einem Major-Label sind, werden wir selbstverständlich eine komplette Playback-Tour durch sämtliche WOM- und Saturngeschäfte mit anschließender Autogrammstunde machen. Und wenn wir genug Geld verdient haben, bringen wir noch ein paar Greatest-Hits Alben raus und tingeln durch Möbelzentren, dann allerdings nur Halbplayback – das ist da so üblich.

GRAF DISCO: Die „Shows“ sollen in erster Linie glatt rüberkommen – ganz im Gegenteil zu Knochenfabrik-Konzerten, das macht dann echt nur Spaß, wenn man den Arsch voll hat. Ich persönlich habe nüchtern keinen Spaß an so was. Besoffen sieht das dann natürlich wieder ganz anders aus. Und ich habe noch nie Playback gespielt – würde aber bei einem Angebot niemals nein sagen – man beachte die ganzen geleckten Volksmusik-Spaten. Irgendwie hat das doch was.

Geschrieben am: 11.01.2004
gelesen: 4745
Autor: CHEFDENKER
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